Loyalty-Apps sind längst im Alltag der Konsumentinnen und Konsumenten angekommen: Rund 91 Prozent nutzen mindestens eine Anwendung. Doch trotz dieser hohen Verbreitung zeigt sich ein überraschendes Bild: Die intensive Nutzung führt nur selten zu echter Kundenloyalität. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie „Beyond Loyalty-Apps“ von MEDIA CENTRAL und IFH MEDIA ANALYTICS.
Im Durchschnitt greifen Nutzerinnen und Nutzer auf 4,2 verschiedene Loyalty-Apps zurück – ein Wert, der seit einiger Zeit stagniert. Entscheidend für die Nutzung ist dabei vor allem der konkrete Mehrwert. Für 78 Prozent der Befragten gilt: Sie öffnen eine App nur dann, wenn attraktive Vorteile geboten werden. Besonders im Fokus steht dabei der Preis.
Die Konsequenz: Die vermeintliche Kundenbindung bleibt oberflächlich. Drei Viertel der KonsumentInnen sind bereit, für ein besseres Angebot den Anbieter zu wechseln. Besonders ausgeprägt ist diese Wechselbereitschaft bei sogenannten Light Usern sowie in älteren Zielgruppen.
Hinzu kommt, dass viele Nutzer Loyalty-Apps nicht als echte Orientierungshilfe wahrnehmen. Push-Nachrichten werden häufig als störend empfunden, während relevante Angebote aktiv gesucht werden müssen und dabei leicht untergehen. Die Folge: Klassische Kanäle erleben weiterhin eine hohe Relevanz. Gedruckte Prospekte bieten Übersicht, machen Angebote sichtbar und schaffen klare Kaufanreize – oft effektiver als digitale Anwendungen.
Aktuelle Entwicklungen im Markt unterstreichen diese Dynamik zusätzlich: So steht das Aus der DeutschlandCard im Raum, nachdem es zu einer deutlichen Verschiebung zentraler Partnerschaften gekommen ist. Im Zuge einer Markt-Rochade wechselte Edeka zu Payback, während Rewe das Payback-System verlassen hat und seit einiger Zeit verstärkt auf eigene Loyalty-Strukturen setzt. Diese Entwicklungen zeigen, wie stark der Wettbewerb um Kundendaten, Reichweite und direkte Kundenansprache zugenommen hat.
Für Händler ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: Loyalty-Apps allein reichen nicht aus, um nachhaltige Kundenbindung zu schaffen. Ihre volle Wirkung entfalten sie erst im Zusammenspiel mit weiteren Kommunikationskanälen. Eine integrierte Strategie aus digitalen Angeboten, gedruckten Prospekten und POS-Werbung sorgt für mehr Sichtbarkeit, bessere Orientierung und letztlich stärkere Kaufimpulse.
Die Zukunft der Kundenbindung liegt somit nicht im Entweder-oder, sondern in der intelligenten Verzahnung verschiedener Kanäle.
