Aus Sicht der Betroffenen erscheinen sie harmlos: Man wechselt kein Wort mit dem fremden Anrufer, also gibt man auch keine sensiblen Daten heraus. Doch selbst ein kurzes, einseitiges Gespräch können Betrüger für ihre Zwecke nutzen, zum Beispiel:
- Nummernvalidierung: Nehmen Sie den Anruf an, bestätigt sich, dass es sich um eine aktive Nummer handelt. Der „stumme Anruf“ wird in solchen Fällen von automatischen Wählgeräten getätigt und nicht von Menschen. Bestätigte Rufnummern können in eine Liste übertragen und im Dark Web verkauft oder für folgende Betrugsmaschen genutzt werden.
- Sprachaufzeichnung: Wer den Anruf annimmt, sagt in der Regel „Hallo“ oder seinen Namen. Diese Sprachfetzen können aufgezeichnet und für weitere Betrugsmaschen genutzt werden. Ziel ist es meist, mit den Aufnahmen die Stimme des Opfers zu „klonen“. Diese künstliche Stimme kann genutzt werden, um Geld von Familie und Bekannten des Opfers zu erbeuten. Auch die Zustimmung zu einem Vertrag kann nachgeahmt werden.
Meist legen die Betrüger auf, wenn sie genug Material haben. Es kann also passieren, dass der Anruf abgebrochen wird, sobald du etwas sagst. Ebenfalls wichtig: „Stumme Anrufe“ müssen nicht unbedingt von einer unbekannten oder unterdrückten Nummer kommen. Kriminelle können die Anrufer-ID-Funktion leicht missbrauchen. So erscheint möglicherweise eine Bank oder ein bekanntes Unternehmen als Anrufer, obwohl das nicht stimmt. In Fachkreisen spricht man dabei von „Anruf ID Spoofing“. Deshalb:
- Melden Sie sich am besten mit einfachem Grußwort wie „Hallo“ – niemals mit dem eigenen Namen.
- Wenn Sie am anderen Ende nichts hören, legen Sie sofort auf.
- Vermeiden Sie es, „Ja“ zu sagen – dies kann aus dem Kontext gerissen und zum Beispiel als Zustimmung zu Vertragsabschlüssen missbraucht werden.
- Blockieren Sie die unbekannte Rufnummer auf Ihrem Telefon und melde Sie sie in der angezeigten Auswahloption der Mobilfunksoftware als Spam.
- Rufen Sie niemals unbekannten Nummern zurück, da dies hohe Kosten verursachen kann. Vor allem bei Auslandsanrufen!
- Haben Sie einen stummen Anruf entgegengenommen, sollten Sie wachsam sein. Ist Ihre Nummer erstmal als „aktiv“ hinterlegt, werden weitere Betrugsversuche folgen.
Und, ganz besonders:
- Machen Sie mit Ihrer Familie oder Ihrer engeren Organisation ein Codewort aus. Die Maßnahme klingt vielleicht übertrieben, wird aber immer wichtiger, um sich vor Betrug mit künstlichen Stimmen zu schützen. Kurze Aufnahmen der Stimme reichen bereits aus, um einen „Klon“ der Stimme zu erstellen. Kriminelle nutzen dieses sogenannte „Voice Cloning“, um altbekannte Maschen wie den Enkeltrick glaubhafter zu machen. Diese Imitationen kännen täuschend echt klingen. Mit einem Codewort können Sie ganz einfach prüfen, ob es sich beim Anrufer tatsächlich um die Person handelt oder nur um eine Computer-generierte Stimme. Das Codewort sollte jedoch a) nicht leicht zu erraten und b) nirgendwo schriftlich hinterlegt sein.
